Lärmproblem: Der Gesetzgeber lässt Hersteller munter Tricksen

Die Lärmmessung von Straßenfahrzeugen wird in einem normierten Verfahren vorgenommen, der für alle Straßenfahrzeuge in Europa (auch in der Schweiz) verbindlich ist. Dazu fährt das Fahrzeug mit 50 km/h auf die Lärmmessstelle zu und beschleunigt mit Vollgas auf 80 km/h. Der Geschwindigkeitsbereich oberhalb 80 km/h wird in den normierten Lärmmessungen nicht erfasst, da können die Fahrzeuge dann so laut sein, wie sie wollen. Für Motorräder gilt im normierten Verfahren seit 2016 ein Lärmgrenzwert von 78 dB (A), vorher waren es 80 dB (A). Für PKW gilt ein Lärmgrenzwert von 74 dB (A). Motorräder dürfen also 4 dB lauter als KFZ sein, aufgrund des logarithmischen Charakters des dB Werts entspricht das ungefähr einer zusätzlichen Lautheit von 40 % gegenüber einem PKW. Schon hier zeigt sich, warum gerade die Motorradgeräusche sich besonders vom normalen Verkehrslärm abheben. Es sind eben nicht nur die Motorräder mit manipulierten Auspuffanlagen („Schwarze Schafe“), die am schlechten Image der Motorrad-Gemeinde schuld sind.

DB-Eater-Schau im Rems-Murr-Kreis: Mal gucken, ob da was drin ist. Gegen andere Lärmtricks hat die Polizei kein Instrumentarium.

DB-Eater-Schau im Rems-Murr-Kreis: Mal gucken, ob da was drin ist. Gegen andere Lärmtricks hat die Polizei kein Instrumentarium.

Das normiertes Verfahren zur Lärmmessung ist nicht praxisnah. Oberhalb von 80 km/h werden überhaupt keine Lärmemissionen erfasst. Im Geschwindigkeitsbereich unterhalb 80 km/h wird bei den Lärmmessungen getrickst. Das Schweizer Fernsehen hat in einem detailliert recherchierten Bericht gezeigt, dass die Hersteller ihre Fahrzeuge auf den Lärmtest vorbereiten. Im Bericht wird ausführlich gezeigt, dass die Fahrzeuge bei einer minimalen Abweichung vom normierten Test (Anfahrt mit ca. 55 km/h statt mit 50 km/h) plötzlich zwischen 2- und 4-mal so laut wie bei Anfahrt mit 50 km/h werden. Dies entspricht im Prinzip der Schummelei beim VW-Abgasskandal, hier allerdings mit Billigung des Gesetzgebers.

Ein paar Grundlagen zu Lärmmessungen bei Fahrzeugen: Es ist bekannt, dass Lärm in Dezibel (dB) gemessen wird. Dezibel ist eine logarithmische Größe. Das bedeutet, dass sich ca. alle 10 dB die Lautstärke verdoppelt (der Schalldruck verdoppelt sich sogar alle 6 dB). Ein Anstieg von 70 dB auf 80 dB ist also nicht eine Steigerung der Lautstärke um ca. 15%, sondern um 100%. Ein Anstieg von 70 dB auf 90 dB ist nicht eine Steigerung um ca. 30%, sondern entspricht einer Steigerung der Lautstärke um 400 % (Vervierfachung der Lautstärke). Ein Anstieg von 70 dB auf 100 dB entspricht dann einer Steigerung um 800% (Verachtfachung der Lautstärke). Das ist z. B. ein wichtiger Aspekt bei der abzuziehenden Toleranz bei Polizeikontrollen. Es werden 5 dB vom ermittelten Messwert abgezogen. Das klingt wenig, ist in etwa so, als wenn die Polizei jemanden mit 90 km/h in der Stadt anhält, nur um anschließend 40 km/h „Toleranz“ abzuziehen und ihn ungestraft weiterfahren zu lassen. Hinzu kommt folgendes: Für die Lärmmessung von Fahrzeugen wird nicht die Größe Dezibel (dB), sondern dB (A) verwendet. Der Unterschied ist, dass bei der Lärmmessung die tiefen Frequenzen herausgefiltert werden. Wenn also ein besonders tieffrequentes Fahrzeug (Gyrocopter, Harley-Motorrad) gemessen wird, dann wird schon bei der Messung ein Teil der Lärmbelästigung, nämlich die Frequenzen < 1000 Hz, zu einem großen Teil herausgefiltert. Der gemessene Lautheitswert wird also geschönt. Korrekter wäre es einen ungefilterten dB Wert zu nehmen. Das hat die Lärmlobby bislang aber zu verhindern gewusst. Eberhard Sengpiel – ein international renommierter Tonmeister – pflegte sinngemäß zu sagen: „Ein mit der A-Bewertung ermittelter Messwert eines Motorrades muss falsch sein.“

 

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In Mannheim werden gegen Poser Nägel mit Köpfen gemacht

Auch Bild berichtet über die Lärm-Poser.

Auch Bild berichtet über die Lärm-Poser.

Endlich traut sich mal einer und wird aktiv gegen den Lärm-Terror der Poser auf vier und zwei Rädern. Selbst die Bild-Zeitung thematisiert die Initiative der Polizei und Stadt Mannheim, an den Lärmern mit Auspuffklappen ein Exempel zu statuieren. Die Anti-Poser-Aktion richtet sich auch gegen „Active Sound Systeme“, bei denen die Hersteller wie Audi, BMW oder Mercedes vereinfacht gesagt Lautsprecher neben den Auspuff montieren. Betrieb im Straßenverkehr illegal – aber wen juckt’s?  In Mannheim werden auch gegen diese Lärm-Manipulationen Nägel mit Köpfen gemacht. Noch etwas zur Bild-Zeitung:  Das Schwesterblatt Auto-Bild erklärt, wie man den Diesel-Sound beim Golf mit 8-Zylinder-Lärm übertönt. Zitat aus dem Bericht: „Was bringt das System wirklich? Einen Sound, bei dem die Nachbarn spontan auf einen wilden V8-Motorumbau oder mindestens auf eine heiße Sportauspuffanlage tippen. Im Vergleich mit werksseitig angebotenen Soundgeneratoren ist der mögliche Effekt deutlich größer, da Kufatec seinem Sound-Booster sechs anwählbare Profile mit Kennlinien von piano bis forte verpasst hat.“ 

Die Frage stellt sich: Lärm ist ein Umweltgift. Mutwillige Lärmerzeugung Körperverletzung. Wann zeigt jemand Kufatec wegen Beihilfe zur Körperverletzung an?

Auto-Bild erklärt, wie "Active Sound Manipulationen“ gehen.

Auto-Bild erklärt, wie „Active Sound Manipulationen“ gehen.

Hier noch die Stellungsnahme des Media Teams der Mannheimer Polizei:

+++ Stadt und Polizei gemeinsam gegen „Poser“ +++

Wer kennt sie nicht? Mit röhrendem Auspuff und aufheulendem Motor fahren sie durch die Mannheimer Innenstadt, um allen zu zeigen, was ihre Karre kann. Aber damit ist jetzt Schluss. Nach über 200 Hinweisen auf Lärmverursacher war klar, dass eingegriffen werden muss, um die Aufenthalts- und Wohnqualität nicht länger unter rücksichtslosen Autolärm leiden zu lassen.Und aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit der Stadt Mannheim beschlossen, ab sofort gegen die sogenannten „Poser“ vorzugehen. Bereits seit zwei Wochen führen unsere Kollegen verstärkte Verkehrskontrollen durch. Das bisherige Ergebnis: 22 Autos und drei Motorräder wurden direkt aus dem Verkehr gezogen, da durch das Umrüsten der Fahrzeuge die Betriebserlaubnis erloschen war. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet jeden Besitzer auch noch mindestens 1000 Euro, die unter anderem für Gutachten, Rückbau des Tunings oder das Bußgeld anfallen. Doch was viele nicht wissen: Bußgelder können auch fällig werden, wenn man mit seinem Auto unnötigen Lärm verursacht (§ 30 StVO). Aber soweit muss es eigentlich nicht kommen, denn in Mannheim gibt es seit Neuestem eine „Gelbe Karte“ für Fahrzeughalter, deren Auto an mindestens zwei Tagen durch unnötigen Lärm auffällt. Sozusagen eine letzte Warnung mit der Aufforderung, das Posen zu unterlassen. Da der erhobene Finger ja erfahrungsgemäß nicht bei allen die gedachte Wirkung zeigt, folgen im Bedarfsfall auch weitere Maßnahmen. Und die gehen an den Geldbeutel. Was die meisten allerdings noch schlimmer treffen könnte: Bei Fahrern, die ihr Fehlverhalten trotz mehrfacher Aufforderung nicht einhalten, zweifeln wir ernsthaft an der Geeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen und melden diese der Führerscheinstelle. Peinlich, wenn man seinen Lappen wegen eines großen Egos abgeben muss und zukünftig zu Fuß zum Tuner-Treffen laufen darf.

Und hier noch zwei Lärm-Kostproben (Harley und Sportwagen) – zur Verfügung gestellt von der Mannheimer Polizei:

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Petition fordert Lärm-Umweltzonen

Petition fordert Lärmschutzplakette analog Umweltplakette.

Petition fordert Lärmschutzplakette analog Umweltplakette.

Eine Bundestags-Petition zur Einrichtung regionaler Lärm-Umweltzonen für Erholungsgebiete ist jetzt vom Petitionsausschuss zugelassen worden und steht ab sofort hier zur Mitzeichnung bereit. Die Petition fordert niedrigere, effektive und nicht umgehbare Lärmgrenzwerte in zukünftig als Lärm-Umweltzonen ausgewiesenen Erholungsgebieten. Petent ist die Lärmschutzinitiative „www.rettet-die-stille.de“, die von den VAGM e.V. / motorradlaerm.de unterstützt wird. Die Petition richtet sich ausdrücklich nur gegen besonders laute Fahrzeuge (zum Beispiel hochtourige Motorräder, Sportwagen mit absichtlich lauten Sport-Auspuffanlagen, Quads, Powerboote oder lautstarke Fluggeräte), die in Beschleunigungsphasen, Hochgeschwindigkeitsfahrten und bei Steigflügen oder in niedriger Flughöhe außergewöhnlich laute, aber eigentlich vermeidbare Dezibel-Werte verbreiten.

Diese Fahrzeuge dürfen heute – auch ohne verbotene Manipulationen an der Technik – allein aufgrund umgangener Lärmschutzvorschriften, aufgrund von teilweise unerklärlichen EU-Typenzulassungen oder aufgrund von Bestandsschutz so laut sein, dass ganze Gegenden, Täler, Bergstraßen und Pässe, Seeufer in Erholungsgebieten lärmverschmutzt und damit entwertet werden. Dadurch verlieren viele Erholungsgebiete ihren Charakter als Erholungs- und letzte Rückzugsmöglichkeit vor dem zunehmenden Lärm, was letztlich auch zu lärmbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen führt. So existieren für Motorräder ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h überhaupt keine Lärmgrenzwerte. Und bestehende Lärm-Grenzwerte und Messmethoden bei Geschwindigkeiten unter 80 km/h sind aufgrund intensiver Lobbyarbeit der Hersteller so definiert, dass sie – ähnlich des VW-Abgas-Skandals – von den Herstellern mit einfachsten, allerdings legalen Tricks umgangen werden können. Es sind, anders als oft behauptet, deshalb nicht nur einige „schwarze Schafe“ die an ihren Maschinen manipulieren, sondern es handelt sich hier schlicht um ein systematisches Versagen der Lärmschutzvorschriften. Dies sollte zumindest bei besonders lärmsensiblen Erholungsgebieten nicht länger toleriert werden.

Nur Klasse 3: Für diesen Klappenauspuff-Porsche könnte es knapp werden mit dem Befahren von Umweltzonen.

Nur Klasse 3: Für diesen Klappenauspuff-Porsche könnte es knapp werden mit dem Befahren von Umweltzonen.

Wenn es Lärm-Umweltzonen gibt, dann würden Fahrzeuge analog zu den bereits bestehenden Abgas-Umweltplaketten bei der Zulassung (und nachfolgend dann regelmäßig bei den periodischen Hauptuntersuchungen) bei Erreichen der verschärften Grenzwerte eine Umwelt-Lärmplakette erhalten, die ihnen das Befahren bzw. Überfliegen der Lärm-Umweltzonen gestattet. Auch Bestandsfahrzeuge müssen – analog zur Abgas-Umweltplakette – die Plakette vorweisen. Die Analogie zur Abgas-Umweltplakette zeigt auch, dass sich Lärm-Umweltzonen praktisch umsetzen lassen und zudem mit geltendem EU-Wettbewerbsvorschriften in Einklang gebracht werden können.

Ohne verschärfte Lärmschutzgrenzwerte ist eine Lösung des Problems nicht zu erwarten, ganz im Gegenteil, für viele Sportwagen- oder Motorradfahrer gilt das Motto „je lauter, desto besser“. Motorrad-Hersteller berichten übereinstimmend, dass leise Motorräder oder leise Auspuffanlagen sich schlicht nicht verkaufen. Weil die Einsicht dieser Fahrzeugführer nicht gegeben ist, muss der Staat oder die EU regulativ eingreifen. Die Einrichtung von Lärm-Umweltzonen würde mit der Zeit auch zu einer Lärmreduzierung außerhalb von Erholungsgebieten führen, weil getrieben durch die Nichtbefahrbarkeit der Erholungsgebiete, die Fahrzeugführer in Zukunft vielleicht doch vermehrt leisere Fahrzeuge nutzen würden. Die Petition finden Sie hier. Dort kann dann gleich online mitgezeichnet werden. Es werden 50.000 Mitzeichner benötigt, um der Petition Nachdruck zu verleihen.

 

 

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Wo es in Hessen unerträglich laut ist…

Der Hessische Rundfunk (HR) berichtet: Mit Tempo 200 über die Landstraße: So rasen Motorrad-Rowdys durch Hessens schönste Ausflugsregionen. Die Produzenten von „mex“ zeigen, wo der Lärm-Terror am schlimmsten ist. Sind die Biker denn nicht zu stoppen? Interessant dazu die Kommentare der Motorrad-Intelligenzia zum Film auf Youtube (hier klicken). Die bestätigen jedes Vorurteil, das man gegenüber Motorradfahrer haben kann. War das die Absicht der Diskutanten?

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Mannheim und die Lärm-Poser

In Mannheim geht es laut her: Krawallposer belästigen die Bürgerschaft. Ausriss Mannheimer Morgen.

In Mannheim geht es laut her: Krawallposer belästigen die Bürgerschaft. Ausriss Mannheimer Morgen.

Mannheim hat ein Problem mit lauten, prolligen Auspuffen: Die Bürgerschaft rebelliert gegen Raser und Poser, die nachts ganze Straßenzüge aus dem Schlaf reißen. Schema FF wie Auspu“ff“klappe. AMG Mercedes, dicke Audis, Porsche und BMW überbieten sich im Lärm. Auspuffklappentuning meist, das nach dem selben Muster wie bei den Motorrädern das Problem jetzt in die Innenstädte trägt. Die Polizei steht fassungslos vor Zulassungspapieren, die Fahrzeugen zulässige 74 dB(A) Fahrgeräusche attestiert – bei 115 dB(A) Standgeräusch. Der Referenzwert für die Polizei liegt bei tief fliegenden Düsenjägern, das „Fahrgeräusch“ allerdings soll nur so laut sein wie ein Popel-Polo. Otto-Normal-Polizist bleibt nicht viel übrig, als dieses Fahrzeug durchzuwinken. Wie es zu diesen Werten kommt? Auspuffklappen vielleicht? Zykluserkennung vielleicht? Oder eine Auspuffanlage mit EU-ABE – Zulassung aus Luxemburg, wie bei vielen Porsches, weil es ja in Zuffenhausen keinen ordentlichen (Zwinker!) TÜV gibt? Jedenfalls ist die Mannheimer Polizei wild entschlossen, ein Exempel zu statuieren. Wir sind gespannt, ob das Exempel hier auch für die Poser auf zwei Rädern taugt. Dem „Mannheimer Morgen“ war das Thema jedenfalls einen großen Aufmacher wert.

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Rechtsfreie Zone – Rasen und Lärmen

Ja, es geht hoch her auf unseren Straßen: Mit Helm anonymisiert und 200 PS unterm Hinterteil geht sonntags die STVO in Wochenendruhe. Rasen, Lärmen, der Polizei die lange Nase zeigen. Ein Polizeibericht aus Bad Segeberg. An einem Sonntagnachmittag Mitte Juli führten sechs Beamte vom Polizeiautobahn- und Bezirksrevier  Bad Segeberg zusammen mit zwei Polizeibeamten vom Polizeirevier Kaltenkirchen und zwei Angestellten eine Verkehrskontrolle mit dem Schwerpunkt Motorräder durch. Ein Grund für den Kontrolleinsatz waren drei schwere Motorradunfälle im Kreis Segeberg in der laufenden Saison. Ein Motorradfahrer ist dabei gestorben und zwei weitere wurden lebensgefährlich verletzt. In der Zeit von 15.00 bis 18.30 Uhr wurde an insgesamt drei Messorten kontrolliert. In der Hauptstraße in Struvenhütten wurde mit einer ESO-Messanlage die Geschwindigkeit kontrolliert. Zwischen Kaltenkirchen und Schmalfeld wurden im Bereich der Schmalfelder Kurven (L 234) und auf der L 34, im Bereich eines Überholverbotes, mit dem Lasermessgerät TraffiPatrol Kontrollen durchgeführt. Es wurden insgesamt 1574 Fahrzeuge kontrolliert. Es gab 239 Geschwindigkeitsüberschreitungen, davon 19 Motorräder (der höchste Wert lag bei 151 km/h bei erlaubten 70 km/h), einen Verstoß gegen das Überholverbot, drei Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen mit Erlöschen der Betriebserlaubnis nach einer Schallpegelmessung der Auspuffanlage an Motorrädern, drei Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen gegen Motorradfahrer wegen Missachten von Zeichen und Weisungen eines Polizeibeamten. Außerdem wurde ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs eingeleitet. Besonderheiten: Ein Motorradfahrer (BMW) durchfuhr gegen 15.20 Uhr die ESO-Messstelle zunächst mit 117 km/h (erlaubt 70 km/h). Der Anhalteposten in Struvenhütten gab Anhaltezeichen, worauf der Motorradfahrer wendete und in Richtung Kaltenkirchen flüchtete. Hier durchfuhr er mit 119 km/h abermals die Messstelle. Der gegenüberliegende Anhalteposten gab ebenfalls Zeichen, die der Motorradfahrer wiederum ignorierte. Eine Verfolgung mit dem Videowagen sowie eine Nahbereichsfahndung wurden nach kurzer Zeit aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Ähnlich verhielt sich ein Fahrer einer Yamaha R6 mit HH-Kennzeichen gegen 16.20 Uhr. Er wurde 151 km/h bei erlaubten 70 km/h gemessen. Er umfuhr ebenfalls den Anhalteposten und gefährdete dabei die Polizeibeamten. Auch hier wurde nach kurzer Fahrt mit dem Videowagen die Verfolgung abgebrochen. Beide Fahrzeughalter stehen durch die Videoaufzeichnungen fest. Die Fahrerermittlungen dauern hierzu an. Wobei die gefertigten Lichtbilder der Motorradfahrer erfolgversprechend sind. Ein Fahrschüler aus Hamburg wurde ebenfalls mit nicht angepasster Geschwindigkeit festgestellt. Er folgte mit seinem Fahrschulmotorrad seinem Fahrlehrer. Das Duo war zudem nicht wie vorgeschrieben als Fahrschulfahrt gekennzeichnet. Ein weiterer Motorradfahrer wollte hinter der Messstelle in der Hauptstraße in Struvenhütten seinen „Unmut“ zeigen und drehte kräftig am Gasgriff. In der nachfolgenden Kontrolle wurde mit einem Schallpegelmessgerät die Geräuschentwicklung seines Motorrades gemessen. Der war mit 114 dB deutlich lauter als die Eintragungen es erlaubten. Neben einer offiziellen Kraftfahrzeugüberprüfung erwartet den Motorradfahrer nun auch ein Bußgeld von mehr als 100 Euro.

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Allgäu und Motorradlärm: „Einfach mal Stopp drücken!“

Bad Hindelang, Bayrischzell, Amorbach, Jochpass, Fränkische Schweiz, Kochel und Walchensee, Balderschwang – das Allgäu setzt auf sanften Tourismus. Allein: Der zunehmende Motorradverkehr und die immer lauter werdenden motorisierten Zweiräder entwerten die Naturlandschaften des Allgäus und Bayerns. Der Bayerische Rundfunk berichtet in der Sendung „Quer“ über ein lautes Thema, bei dem sich immer mehr Kommunen allein gelassen fühlen. Die kann man sich über diesen Link ansehen.

Schöner Nebenkriegschauplatz: Während motorisierte Belästiger scheinbar alles dürfen, dürfen die Gemeinden laut Landratsamt noch nicht einmal ein Lärm-Hinweisschild aufstellen!

Das Allgäu leidet unter Motorradlärm: Hinweisschild in Balderschwang. Der Bayerische Rundfunk berichtet in der Sendung Quer.

Das Allgäu leidet unter Motorradlärm: Hinweisschild in Balderschwang. Der Bayerische Rundfunk berichtet in der Sendung Quer.

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Einführung in die Psychologie des Lärmens / Teil 1

Stellen Sie sich mal vor, Sie sind Motorradfahrer und ihr altes Ding (eine 25 Jahre alte BMW R80 GS) hat sich einen Motorschaden eingefahren. Reparaturkosten nahe an wirtschaftlichem Totalschaden. Die R80 GS ist ein Touren-Motorrad – eines der beliebtesten, das der bayerische Hersteller jemals gebaut hat. Ohne Auspuffklappen, mit Originalauspuff und ohne „Tuningmaßnahmen“ ist sie nur etwas lauter als ein Pkw oder die früheren Polizeimotorräder aus München. Eigentlich ein schönes Motorrad, nur eben kaputt.

Sieht leiser aus als sie ist: BMW RnineT

Sieht leiser aus als sie ist: BMW RnineT. Quelle: Wikipedia

Der Gang zum BMW-Händler gipfelt in einer Probefahrt mit der BMW RnineT. Dieses Retro-Motorrad sieht einem klassischen Motorrad ähnlich und ist deshalb so erfolgreich am Markt. Sie hat mehr als doppelt so viel PS wie die R80 GS, das ist der erste Eindruck. Sie hat natürlich auch bessere Bremsen und sie fährt sich sehr schön – bis auf ein entscheidendes Detail. Sie ist unverschämt laut – wg. Klappen. BMW, früher Hersteller müstergültig leiser Zweiräder, hat ganze Lärm-Arbeit geleistet. Der freundliche Händler: „Guter Sound, wa?“ Der potenzielle Kunde: „Gibt’s das denn auch leiser?“ Der Mann mit der Krawatte (BMW Händler sind immer besser angezogen als ihre Kunden) wird sich diesen Tag rot im Kalender anstreichen: „Da kam so ein Idiot, der wollte das Motorrad leiser haben…“

So präsnetiert das der BMW Händler: Die RnineT mit abgenommenem Auspuff, damt auch der Letzte kapiert, dass dieses Ding "legal" Lärm macht.

So präsentiert das der BMW Händler: Die RnineT mit abgenommenem Auspuff, gut sichtbar die Auspuffklappe, damit auch der Letzte kapiert, dass dieses Ding „legal“ Lärm macht.

Stellt man die gleiche Frage im Internet (weil sich die Nachbarn beschweren, oder man sich darauf wie ein Proll vorkommt oder weil man ganz egoistisch gesundheitliche Folgen wie einen Tinnitus fürchtet) ist die Reaktion noch eindeutiger als beim BMW Kundenbetreuer (hohe Toleranzschwelle, so lange Idioten Geld bei ihm ausgeben).

Also es gibt tatsächlich einzelne Motorradfahrer, die es nicht so haben mit dem Belästigen. Und es gibt eine Menge, die diese Erstgenannten wirklich für komplette Idioten halten. Einen Ausflug in die Kreise der Freunde der RnineT – Auszüge aus dem BMW Forum zum entsprechenden Modell (seit 2014):

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Schalldämpfer – wie leiser machen ?

Guten Tag,

ja ich weiss, alle schreiben nur darüber wie der Sound noch lauter gemacht werden kann….

ABER, ich bin mal jetzt die Ausnahme und hätte es gerne ein wenig diskreter, sprich leiser.
Im Standgas ist der Sound absolute Spitzenklasse aber beim beschleunigen ist mir das Ding zu laut.

Frage: kann ich den Endschalldämpfer von der R1200R an meine NineT schrauben ?
die Halterung muss ich anpassen. Gibt es sonst technische Limitationen ?

 

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Die erste Antwort (Nick Ratingser) sagt alles:
Ich hab gerade mehrfach nachgeschaut, aber in meinem Kalender ist der 1. April seit 28 Tagen vorbei. Du willst echt den dicken, hässlichen Topf der R daran schrauben?  Wenn es nur dir persönlich zu laut ist: Nimm doch einfach ein paar Gehörschützer (nicht ironisch gemeint).

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„Leis ist Scheiß…

… Jetzt weiß ich warum ich 20 Jahre Italiener gefahren bin (es folgt eine Aufzählung von pupertierenden Zubehörauspuffen) … und mir BMW für Ü-50 vorgenommen habe. Aber dann kam die R90T mit diesem super Seriensound!!! Ihr wollt das Moped doch nicht leiser machen :wand ? Wenn das ein Politiker liest (Öl ins Feuer), dann gibts morgen ein Volksbegehren in der Bildzeitung. Ich seh schon die Überschrift: „Selbst den kindermordenden bösen BMW-Rockern sind die deutschen Lärmschutzrichtlinien zu lasch!“  Als Beilage in der BAMS sind Bumpersticker „Laut ist Out.“
Ist es zu Laut, bist Du zu alt !!! :kruecken

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Der Anfrager im Forum wird prompt für einen Troll gehalten, denn normale Motorradfahrer kennen kein „zu laut“. Im Anschluss folgen acht Seiten Gülle und Zynismus.

Und hier das Statement eines Administrators:

Bei einer normalen Anfrage sollte man eine normale Auskunft erwarten können. Hierbei sollte man aber auch bei heiklen Themen, nicht alles geschriebene auf die Goldwaage legen.. :pfeifen
BMW hat sich mit der nineT weit von dem entfernt was lange Zeit zu den BMW – Tugenden gehörte. Dazu zähle ich auch den satten Sound. Wie käme die nineT daher, wenn sie sich anhören würde wie ein Sack Meerschweinchen :ablachen
Deine Methode mit den Ohrenstöpseln ist eine Möglichkeit den Sound von seinem Gehör fern zuhalten…

In der Folge gibt er Tipps, wie sich mit Zubehörauspuffen anderer Hersteller (die üblicherweise lauter sind als die Originale) möglicherweise etwas Lautstärke gedämmt werden kann…

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Fazit:

Das Lärmen scheint mittlerweile auch bei den Tourenmotorrädern zu den obersten Geboten zu gehören.  Pssst! Nicht zu laut drüber reden, sonst bekommt noch ein Politiker mit, was hier läuft. Die BMW RnineT ist für Motorradfahrer, die andere Menschen nicht belästigen wollen, unkauf- und unfahrbar. Die Zielgruppe stört das natürlich nicht – ganz im Gegenteil – und BMW macht jetzt ein Bombengeschäft auch U50. Natürlich alles ganz legal – der Markt (Anm. der Red: der Belästiger) wünscht das halt so (offizielle Begründung BMW Pressestelle). Übrigens: Wegen der Homologation vor 2016 gelten für dieses Modell bis zum Sankt Nimmerleinstag die alten Zulassungs-Regeln. Zynismus an:  Nicht schlimm, die neuen Zulassungsregeln bringen ja schließlich keine Verbesserung. Höchstens in puncto mehr Lärm…

Und noch ein Zitat zur RnineT (Lärm ist cool):

„Erinnert eher an Harley oder Triumph denn an BMW. Aber genau das will man ja erreichen. Weg vom schnöden Gore-Tex-Ritter mit Klapphelm hin zum coolen Biker.“

Matthias Hirsch: Bikerszene.de
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